Bepflanzung eines Biodiversitätsdaches: Unsere Erfahrungen und Tipps

Unser Biodiversitätsdach ist endlich fertig – ein echtes Herzensprojekt! Nun ging es an die spannende Frage: Welche Pflanzen überstehen pralle Sonne, Trockenheit und nur 10 cm Substrat? In diesem Artikel erfährst du, welche Pflanzen wir ausgewählt haben und wie wir unser Biodiversitätsdach nach und nach in einen neuen Lebensraum für Insekten verwandelt haben. Außerdem zeigen wir dir, welche robusten Stauden wir gewählt haben, wie das Dach gestaltet wurde und warum sich ein Biodiversitätsdach auf jeden Fall lohnt.

Tipp: Wenn du selber dein eigenes Biodiversitätsdach anlegen willst, schau dir zunächst unseren Artikel „Extensive Dachbegrünung selbst gemacht“ an 😁.

Dachfläche mit Totholz und Pflanzsubstrat
Frisch bepflanztes Biodiversitätsdach (März). Bis sich alles entwickelt, dauert es noch ein paar Monate.

1. Warum ein Biodiversitätsdach bepflanzen?

Ein bepflanztes Dach ist weit mehr als nur ein schöner Anblick. Es verbessert das Mikroklima, bietet wertvollen Lebensraum für Insekten und erhöht die Biodiversität im Garten. Besonders in städtischen Gebieten können Gründächer dazu beitragen, dass sich Wildbienen, Schmetterlinge und andere Nützlinge wohlfühlen. Zudem hilft die Bepflanzung, Regenwasser besser zu speichern und reduziert die Hitzeentwicklung auf Gebäuden.

2. Die richtigen Pflanzen wählen: unsere Auswahl

Für die Dachbepflanzung kamen aufgrund der sonnenexponierten Lage nur extrem trockenheitsverträgliche Pflanzen infrage. Unser Projekt-Partner, die bayerische Gärtnerei Staudenspatz, hat uns fachmännisch beraten und speziell für unser Dach eine passende Pflanzauswahl zusammengestellt.

Über die Gärtnerei Staudenspatz:

Die Gärtnerei Staudenspatz ist eine Bioland-Gärtnerei in Oberbayern mit einem Sortiment von über 3000 Arten und Sorten winterharter Stauden. Neben heimischen Wildstauden findest du dort besondere Schattenstauden, Gräser, Farne und Kräuter – alles biologisch produziert, mit Regenwasser bewässert und in torffreier Erde herangezogen. Wenn du in der Region lebst, schau doch mal vorbei oder bestelle über den Online-Shop.

Bild-Collage von mehreren Stauden in Anzuchttöpfen.
Die Stauden werden nährstoffarm vorgezogen, damit sie sich im Dachsubstrat perfekt entwickeln. Stark vorgedüngte Pflanzen sind zwar größer, entwickeln sich allerdings schlechter nach dem Einpflanzen.

Das ist unsere Pflanzenauswahl im Detail:

Armeria maritima (Strand-Grasnelke)

Beschreibung

Die kompakte, polsterbildende Pflanze mit rosa Blütenköpfen liebt durchlässige, magere Böden und lockt zahlreiche Bestäuber an.

Grasnelken Staude

Pflanzeneigenschaften

Herkunftin Mitteleuropa heimisch
BlütezeitV-VII
Blütenfarberosa
Wuchshöhe10–20 cm
Wuchsformhorstig
Pflanzungin Gruppen 
Wasserbedarftrocken
LichtbedarfSonne
VerwendungFreifläche, Heide, Sandrasen
WinterhärteSehr gut
immergrünja
giftignein

Dianthus deltoides (Heide-Nelke)

Beschreibung

Mit ihren leuchtend pinken Blüten ist die Heide-Nelke nicht nur ein Hingucker, sondern auch eine wertvolle Nahrungsquelle für Schmetterlinge.

Heide Nelken blühend

Pflanzeneigenschaften

Herkunftin Mitteleuropa heimisch
BlütezeitVI-VIII
Blütenfarberosa
Wuchshöhe10–20 cm
Wuchsformrasenartig
Pflanzungeinzeln oder in kleinen Gruppen 
Wasserbedarftrocken bis frisch
LichtbedarfSonne
VerwendungFreifläche, Steingarten, Heide
WinterhärteSehr gut
immergrünja
giftignein

Campanula rotundifolia (Rundblättrige Glockenblume)

Beschreibung

Zarte, blauviolette Blüten und eine Vorliebe für sonnige, trockene Standorte machen diese Glockenblume ideal fürs Biodiversitätsdach.

Blühende Glockenblumen

Pflanzeneigenschaften

BlütezeitV-X
Blütenfarbeblauviolett
Wuchshöhe10–30 cm
Wuchsformhorstig, Selbstaussaat
Pflanzungeinzeln oder in kleinen Gruppen 
Wasserbedarftrocken
LichtbedarfSonne
VerwendungFreifläche, Steingarten
WinterhärteSehr gut
immergrünnein
giftignein

Sedum album (Weißer Mauerpfeffer)

Beschreibung

Diese heimische Wildstaude bildet einen dichten, flach wachsenden Teppich aus kleinen, perlenartigen Blättern. Sie ist hitze- und trockenheitsresistent und gedeiht besonders gut auf durchlässigen, mäßig nährstoffreichen Böden.

Weißer Mauerpfeffer

Pflanzeneigenschaften

BlütezeitVI-VII
Blütenfarbeweiß
Wuchshöhe5 cm
Wuchsformflacher Teppich
Wasserbedarftrocken
LichtbedarfSonne bis Halbschatten
VerwendungFreifläche, Steingarten
Winterhärtesehr gut
immergrünja
giftignein

Sedum rupestre (Grüner Tripmadam)

Beschreibung

Diese heimische Variante von Sedum reflexum besticht durch ihr grünes Laub und ihre Anpassungsfähigkeit an nährstoffarme, trockene Standorte. Sie gedeiht sowohl in voller Sonne als auch im Halbschatten und eignet sich ideal für naturnahe Begrünungen.

Grüner Tripmadam

Pflanzeneigenschaften

Herkunftin Mitteleuropa heimisch
BlütezeitVI-VIII
Blütenfarbegelb
Wuchshöhe10–25 cm
Wuchsformhorstig
Pflanzungin kleinen Gruppen 
Wasserbedarftrocken
LichtbedarfSonne
VerwendungFreifläche, Steingarten, Mauern
WinterhärteSehr gut
immergrünja
giftignein

Thymus praecox (Frühblühender-Thymian Atropurpureum)

Beschreibung

Dieser kriechende Thymian sorgt nicht nur für duftende Flächen, sondern zieht auch viele Bienen an.

Frühblühender Thymian

Pflanzeneigenschaften

BlütezeitV-VII
Blütenfarbeviolett
Wuchshöhe5–10 cm
Wuchsformflacher Teppich
Wasserbedarftrocken
LichtbedarfSonne
VerwendungSteingarten, Kräutergarten
Winterhärtesehr gut
immergrünja
giftignein

Dianthus carthusianorum (Karthäuser-Nelke)

Beschreibung

Die leuchtend rosa Blüten dieser Nelke machen sie zu einer der attraktivsten Pflanzen für trockenes Terrain.

Karthäuser Nelken

Pflanzeneigenschaften

BlütezeitVI-IX
Blütenfarbekarminrosa
Wuchshöhe40 cm
Wuchsformhorstig
Wasserbedarftrocken
LichtbedarfSonne
VerwendungFreifläche, Steingarten
Winterhärtesehr gut
immergrünja
giftignein

Allium senescens ssp. montanum, Allium lusitanicum (Berg-Lauch)

Beschreibung

Seine kugelförmigen, violettfarbenen Blütenbälle locken Bienen an und sorgen für einen besonderen Akzent auf dem Dach.

Berg Lauch Staude

Pflanzeneigenschaften

Herkunftin Mitteleuropa heimisch
BlütezeitVI-VIII
Blütenfarberosa
Wuchshöhe10–30 cm
Wuchsformhorstig, Selbstaussaat
Pflanzungin kleinen Gruppen
Wasserbedarftrocken bis frisch
LichtbedarfSonne
VerwendungFreifläche, Steingarten
Winterhärtesehr gut
wintergrünja
giftignein

Gypsophila repens (Polster-Schleierkraut)

Beschreibung

Diese zarte Staude bildet dichte Polster aus kleinen, weißen Blüten und ist ideal für sonnige, trockene Standorte.

Polster-Schleierkraut

Pflanzeneigenschaften

BlütezeitVI-VIII
Blütenfarbeweiß
Wuchshöhe15 cm
Wuchsformbreite Polster
Wasserbedarftrocken
LichtbedarfSonne
VerwendungBeet, Steingarten
Winterhärtesehr gut
immergrünja
giftignein

Helianthemum nummularium (Gewöhnliches Sonnenröschen)

Beschreibung

Mit leuchtenden gelben Blüten und einer langen Blühtezeit ist das Sonnenröschen ein echter Sommerstar.

Gewöhnliches Sonnenröschen
Herkunftin Mitteleuropa heimisch
BlütezeitVI-X
Blütenfarbegelb
Wuchshöhe10–30 cm
Wuchsformhorstig, verholzend
Pflanzungeinzeln oder in kleinen Gruppen 
Wasserbedarftrocken
LichtbedarfSonne
VerwendungFreifläche, Steingarten, Mauern
WinterhärteSehr gut
immergrünja
giftignein

3. Totholz als natürliches Gestaltungselement

Gartenhaus mit Pflanzsubstrat und Totholz auf der Dachfläche.
Das Totholz wird anfangs grob positioniert und erst später beim Bepflanzen final angeordnet.

Um unser Dach noch lebendiger zu gestalten, haben wir bewusst Totholz integriert. Es dient nicht nur als Struktur-Element, sondern bietet auch Lebensraum für Wildbienen, Käfer und Moose (wobei es für letzteres zu sonnig ist 😎). Wir haben dafür Holz von Laubbäumen verwendet, da es weniger Harz enthält als Nadelholz und deshalb schneller von Insekten, Pilzen und Flechten besiedelt wird. Zudem zersetzt sich Laubholz leichter, wodurch natürliche Risse und Hohlräume entstehen – ideale Nistplätze für Wildbienen und andere Kleinlebewesen. So wird das Totholz auf unserem Dach ganz nebenbei zur kleinen Arche für mehr Artenvielfalt.

Übrigens: Das Totholz ist im Rahmen von Rückschnittarbeiten bei uns in der Stadt angefallen. Wir konnten es kostenfrei einsammeln, um es für dieses Projekt zu verwenden (klärt das aber unbedingt vorher ab!)

4. Pflege und Entwicklung des Biodiversitätsdaches

Da unser Gründach sehr wenig Substrat hat, müssen wir besonders auf die Trockenheitsresistenz der Pflanzen achten. Eine ausführliche Bewässerung ist nur in der Anfangsphase notwendig. Danach sollen die Stauden mit den vorhandenen Bedingungen zurechtkommen.

5. Fazit: Ein lebendiges Dach für mehr Artenvielfalt

Die richtige Pflanzenauswahl und eine durchdachte Gestaltung machen ein Biodiversitätsdach zu einem echten Gewinn für die Natur. Wir sind gespannt, wie sich unser Dach in den kommenden Jahren entwickelt und freuen uns über jeden neuen Besucher mit Flügeln!

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